Der dänische Jakobsweg

von Andreas Blinkenberg, Architekt und Vorsitzender des Verbands „Herberger langs Hærvejen“

Pilgern in unserer Zeit

Der Ochsen- oder Heerweg war im Mittelalter eine Pilgerroute nach Santiago de Compostela, Trondheim und Rom. Im Zuge der Reformation im 16. Jh. fanden die Pilgerwanderungen im nördlichen Europa ein Ende, erleben heute jedoch eine Renaissance. Auf ihrer Suche nach dem Sinn des Lebens und mit Sehnsucht nach innerem Aufbruch begeben sich Menschen auf Wege und Pfade. Der Pilgergedanke ist im Bedürfnis des modernen, rastlosen Menschen nach Natur, Langsamkeit, Freiheit, Schlichtheit, Stille und Spiritualität neu entstanden. Daher erlebt man in Dänemark und im übrigen Europa ein steigendes Interesse für Pilgerwanderungen.

Der Pilger folgt dem Weg und lässt sich von den Eindrücken und Ereignissen unterwegs aufhalten. Der Pilger strebt nach Stille und einer einfachen Lebensweise auf seiner spirituellen Suche. Er sucht jedoch auch die Gemeinschaft mit anderen Wanderern, sowohl gläubigen als auch suchenden Pilgern. Und nicht zuletzt weiß der Pilger die Gastfreundschaft der Einheimischen unterwegs zu schätzen. Der Pilger plant seinen Weg nicht im Voraus mit Hotelreservierungen und Reiseplänen.

Offene Kirchen

Von Viborg bis zur deutsch-dänischen Grenze bei Padborg führt der Ochsenweg Hærvejen durch ca. 26 Pfarrbezirke. Mehrere der Pfarrkirchen sind heutzutage tagsüber geöffnet und bieten Besuchern die Möglichkeit, an einer Andacht teilzunehmen, die Kunstgegenstände der Kirche zu erleben, eine Kerze anzuzünden, ein stilles Gebet zu sprechen oder Einheimische zu treffen, die etwas über die Geschichte der Kirche und der Gegend erzählen können.

Europäischer Kulturweg

Der Ochsenweg Hærvejen wurde 2010 vom Europarat zum europäischen Kulturweg ernannt. Er verbindet die Pilgerrouten in Norwegen und Spanien mit den südeuropäischen Pilgerrouten. Wandern, Radfahren und Reiten auf dem Ochsenweg Hærvejen ist daher ein Angebot, das wohl jeder kennt, der u. a. auf dem Jakobsweg in Spanien gewandert ist. Es ist aber auch ein Angebot an ein neues Publikum, das alternative Urlaubsformen nachfragt.

Herbergen für Pilger, Wanderer, Radfahrer und Reiter

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