Familie på vandretur

Weit weg vom Alltag...

Foto: Majken Matras

So lautete letztes Jahr wieder das Motto bei unserer Sommerurlaubsplanung.

 

Eine Mutter und zwei sehr verschiedene Söhne – der Ältere lebt aufgrund einer psychischen Erkrankung in einer sozialpädagogischen Einrichtung, der Jüngere ist Autist – beschlossen, einen Aktivurlaub in ruhigem Tempo zu verbringen, weit weg von den Strukturen und Plänen des Alltags.

Wir hatten schon früher Zelt- oder Fahrradurlaub in Dänemark gemacht, aber dieses Mal wollten wir etwas Neues ausprobieren.

Wir waren alle mit einem modernen Schrittzähler ausgerüstet – etwas Wettbewerb macht Spaß.

Die Tagesetappen waren so geplant, dass wir jeden Abend in einer Jugend- und Familienherberge oder einem Bed & Breakfast übernachten konnten.

Die durchschnittliche Etappenlänge betrug 21 km. Das hört sich nach viel an, doch die Zeit verging schnell im Takt unserer Wanderschritte.

Nach zweiwöchiger Planung und Anschaffung der grundlegendsten Wanderausrüstung fuhren wir mit dem Zug nach Vejle. Das Frühstück am Bahnhof von Vejle war dann der Startschuss für unsere Wandertour.

An einem warmen Julimorgen verließen wir Vejle zu Fuß.
Das Ziel der ersten Etappe lag fest, der Proviant war oben in den Rucksäcken verstaut und die Wasserflaschen waren gefüllt. Umgeben von der Natur wanderten wir in unserem eigenen ruhigen Tempo los.

Der Juli ist ein herrlicher Monat, und die Landschaft hielt ein schönes Erlebnis nach dem anderen bereit. Über kleine, gewundene Asphaltwege, Schotterwege und schmale Pfade wanderten wir in Richtung Norden. Es gab reichlich Zeit zum Reden und reichlich Zeit zum stillen Beisammensein.

Wie in einem idyllischen Heimatfilm machten wir Rast am Wegesrand. Es war, als wären wir aus der Realität in eine Welt ohne Sorgen hineinversetzt worden, in der wir ganz über unsere eigene Zeit verfügen konnten.

Meine Söhne bemerkten, dass die wenigen Menschen, die an uns vorbeigingen, mit breitem Lächeln grüßten, und schlossen daraus, dass die Jütländer viel freundlicher sein müssten als die Seeländer ;-)

Das erste Ziel, eine ersehnte Dusche, eine gute Mahlzeit, etwas Kartenspielen und dann nichts wie ins Bett. Ein herrlicher Abschluss unseres ersten Wandertages.

Der nächste Morgen begann mit einem guten Frühstück. Wir kontrollierten unsere Füße auf Druckstellen und versorgten sie mit Pflaster und Sporttape, bevor wir die nächsten 20 km in Angriff nahmen.

Das Wetter war wieder herrlich mit strahlendem Sonnenschein von einem wolkenfreien Himmel.

An diesem Tag ging es durch Waldgebiete, goldene Kornfelder und einen langen Abschnitt mit Moor- und anderen Feuchtgebieten. Es gab fürchterlich viele Fliegen, die wir mit Zweigen wegscheuchten, so wie es die Kühe mit ihren Schwänzen tun.

Das muss lustig ausgesehen haben – drei verschwitzte Menschen, die mit Zweigen wedeln.

Gleiche Prozedur am Etappenziel und ab in die Koje.

 

Die Füße meines jüngsten Sohns waren leider arg mitgenommen, was ihm große Schwierigkeiten bereitete. Ich fand eine Apotheke und kaufte eine Knöchelbandage und zusätzliches Pflaster. Wir sollten ja wieder 20 km schaffen.

Gut verpflastert machten wir uns wieder auf den Weg. Wir hatten etwas Probleme, den Ochsenweg Hærvejen abseits der größeren Straßen zu finden, aber nach 8 km gelang es uns endlich. Meine Güte, war das schön, wieder auf Schotterwege zu kommen, weg von Verkehr und Lärm.

Wir kamen durch ein kleines Öko-Dorf. Der örtliche Kaufmann half uns, ein Bed & Breakfast zu finden.

6 km außerhalb des Dorfes sollte ein großer Hof liegen, wo wir übernachten könnten. In sengender Hitze wanderten wir durch ein riesiges Waldgebiet. Die Trinkbehälter waren fast leer und meilenweit kein Haus zu entdecken. Wir rationierten das Wasser, um es bis zum Ziel zu schaffen.

Am Ende eines Schotterwegs am Waldrand lag er dann endlich, der Hof.

Von einem älteren Ehepaar wurden wir in einem kleinen Anbau einquartiert.

Der Empfang war überwältigend. Es gab Kaffee, Saft und frisch gebackene Milchbrötchen. Ein zweigängiges Abendessen und anschließend Kaffee und selbstgebackenen Kuchen. Meine Söhnte fühlten sich wie im Himmel!

Nach einer erholsamen Nacht und einem riesigen Frühstück mussten wir wieder weiter. Den Füßen meines Jüngsten ging es so schlecht, dass wir an diesem Tag nur 10 km gehen und den Rest mit dem Bus fahren wollten.

Gesagt, getan. Wir erreichten den Bahnhof, kauften unsere Bahntickets und machten einen letzten kleinen Rundgang durch die Gegend, bevor wir mit dem Zug zurück nach Ringsted fuhren.

Das war das Ende unseres allerersten Wanderurlaubs – und der Beginn einer völlig neuen Art, Urlaub zu machen.

 

Packliste der Familie
Schrittzähler
Gute Routenkarten
Rucksack, 25 - 30 Liter
Gürteltasche für all die Dinge, die man unterwegs braucht
Gute Wanderschuhe
Kurze Lauftights (um Schürfwunden innen an den Oberschenkeln zu vermeiden)
2 Paar Wandersocken (etwas Waschpulver zum Waschen der Socken)
Unterwäsche
T-Shirts
1 Fleecepullover
1 Regencape
Schlafsack
1 Handtuch
Schere
Taschenmesser
Trinkbehälter
Toilettenartikel in „Reisegröße“ (erhältlich in der Drogerie Matas)
Pflaster ( verschiedene Größen und Sorten)
Sporttape
Zinksalbe für evtl. Hautirritationen an den Achselhöhlen oder den Innenseiten der Oberschenkel
Trockener Proviant oben im Rucksack
Kartenspiel o. Ä. für den Abend